Alpha Centauri
von Aleksandr Plotnikov
Photo: Tatyana Lavrenteva

Dauer: 55 Min.
Sprache: English
Aleksandr Plotnikov - Autor des Stücks, Darsteller
Wenn wir in die Dunkelheit der Geschichte blicken, erkennen wir die Silhouetten der Verlierer – der Gescheiterten, derer, die das Rennen verloren haben oder für den Triumph anderer entbehrlich wurden.
Die Performance Alpha Centauri erzählt von jenen, über die meist geschwiegen wird. Sie berichtet von sowjetischen Kosmonauten, die es nie ins All geschafft haben – Sergej Kartaschow, Walentin Warlamow, Dmitri Saikin, Witali Bondarenko, Sergej Nefedow. Jeder von ihnen hätte an Gagarins Stelle sein können, doch eine Kette unmöglicher, monströser Zufälle und Umstände nahm ihnen diese Chance. Manchen sogar das Leben.
Gibt es einen Platz für sie in der Gegenwart? Für uns? Für all jene, die dort gelandet sind, wo sie nie sein wollten? Für die Ausgeschlossenen, von der Zeit Ausgelöschten, ihrer Träume und Stimmen Beraubten? Und wie prägt dieser ewige Triumph – sei es der des Krieges oder der der Raumfahrt – unser politisches Bewusstsein heute?
Das Stück von Alexander Plotnikov gibt keine Antworten, sondern bietet einen Blick auf das Scheitern als Möglichkeit, über Zeit nachzudenken. Eine sensible Auseinandersetzung, eine Rückkehr der Namen, eine poetische Rede, die das historische Schweigen durchbricht.
Mitwirkende

aleksandr plotnikov
dramatiker, regisseur
Geboren 1995 in Moskau. Studium an der Fakultät für Drehbuch und Filmwissenschaft der VGIK (Abteilung Filmdramaturgie, Werkstatt von Rustam Ibragimbekow) sowie in der Regiegruppe der Schauspielabteilung der Hochschule für darstellende Künste in Moskau (Werkstatt von Kama Ginkas). Seit 2019 im Theater tätig. In seiner Theaterarbeit befasste sich Plotnikov mit Fragen der Post-Erinnerung. Durch die Verbindung einer poetischen Haltung mit einem dokumentarischen Ansatz erforschte er die Reparative Ästhetik, die versucht, das Grauen und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit durch dokufiktionale Werke wiedergutzumachen und zu kompensieren. In dem Stück „Aphasie“, das schließlich aus politischen Gründen verboten wurde, erzählte er die Geschichte seines ukrainischen Großvaters, der nach Tschernobyl einem illegalen medizinischen Eingriff unterzogen wurde.
Einige von Plotnikovs Arbeiten wurden von der russischen Theatergemeinschaft vor dem Krieg sehr geschätzt. Die Inszenierung von „Anna Karenina“ am Theater Krasnojarsk war in sechs Kategorien für den nationalen Theaterpreis „Goldene Maske“ nominiert und gewann den Preis in der Kategorie „Beste Nebenrolle (Schauspielerin)“. Derzeit lebt Plotnikov in Armenien und setzt seine Erforschung der Möglichkeiten des modernen Theaters fort – nun im Angesicht der unerträglichen Trauer der Gegenwart.