Das Festival
Das Voices Berlin Festival ist eine internationale Plattform für zeitgenössische darstellende Kunst und Musik, gegründet 2023 und mit Sitz in Berlin.
Der thematische Schwerpunkt des Festivals, „Archipel der Zerstreuung“, dient als Metapher für die wachsende Zahl von Künstler*innen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Herkunftsländer verlassen haben und sich nun in neuen kulturellen Landschaften neu erfinden. Diese Bewegungen verändern die künstlerische Landkarte Europas und darüber hinaus, indem vertriebene und migrierende Kreative neue Dialoge über Grenzen hinweg anstoßen. Das Festival erforscht, wie diese sich verschiebenden kulturellen Geografien die Zukunft der Kunst beeinflussen — wie neue Gemeinschaften entstehen, wie sich Identitäten wandeln und wie kulturelle und technologische Innovationen diese Transformationen prägen, um interdisziplinäre und multikulturelle Performances hervorzubringen.
Voices Berlin repräsentiert ein vielfältiges Geflecht künstlerischer Perspektiven und Narrative und dient als gemeinsame Plattform für Dialog und Zusammenarbeit. Hier hilft zeitgenössische Kunst sowohl Künstler:innen als auch Publikum, sich an die Komplexität einer sich rasant verändernden Welt anzupassen.
Wir laden Sie herzlich ein, uns vom 24. Oktober bis 16. November 2025 in Berlin zu begleiten — um Kreativität über Grenzen hinweg zu erleben, an kritischen Gesprächen teilzunehmen und gemeinsam die kulturellen Landschaften von morgen mitzugestalten.
KĂĽnstlerische Leitung

Marina Davydova
Theaterkritikerin, Kuratorin fĂĽr Darstellende-KĂĽnste-Programme
Marina Davydova — Theaterkritikerin, Regisseurin, Dramatikerin und Produzentin. Sie schloss 1988 ihr Studium am Fachbereich Theaterkritik der Russischen Akademie für Theaterkunst (GITIS/RATI) mit Auszeichnung ab und verteidigte später ihre Dissertation zum Thema „Die theatralische Natur der englischen Post-Renaissance-Tragödie“. Sie arbeitete als Senior Researcher am Institut für Kunstwissenschaften, lehrte Kurse zur Geschichte des europäischen Theaters und gab Masterclasses zur Theaterkritik an der Russischen Staatlichen Universität für Geisteswissenschaften.
Davydova ist Autorin der Monografien „Das Ende der Theater-Epoche“ (2005) und „Culture ZERO“ (2017), die die letzten zwei Jahrzehnte des russischen Theaters analysieren. Außerdem war sie Mitautorin und Herausgeberin von „Die Geschichte des europäischen Theaters von der Renaissance bis zum Ende des 19. Jahrhunderts“. Für ihre Theaterkritik erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Stanislavski-Preis für das beste Buch des Jahres 2005.
Viele Jahre lang war Davydova Theaterkritikerin bei Izvestia, der ältesten Zeitung Russlands. Von 2010 bis März 2022 war sie Chefredakteurin der Zeitschrift TEATR.
1998 gründete sie gemeinsam mit Kolleg:innen das NET (New European Theatre) Festival und leitete es 23 Jahre lang als künstlerische Leiterin. Später kuratierte sie das Schauspielprogramm der Wiener Festwochen (2016) und war Leiterin der Sparte Schauspiel bei den Salzburger Festspielen (2023–2024).
Zu ihren Regiearbeiten gehören „Eternal Russia“ (Hebbel am Ufer, Berlin, 2017), ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury beim BITEF 2018; „Checkpoint Woodstock“ (Thalia Theater, Hamburg, 2019); sowie „Trance“ im Rahmen des internationalen Projekts „Die Neuen Todsünden“ (Schauspiel Karlsruhe, 2020). Im November 2020 brachte sie mit „Diminishing the World“ ihre erste Inszenierung in Russland heraus. Im Mai 2023 feierte ihre Produktion „Museum of Uncounted Voices“ bei den Wiener Festwochen in Wien Premiere.
Im März 2022 war Davydova gezwungen, Russland zu verlassen, nachdem sie am ersten Tag des Krieges eine antimilitaristische Petition veröffentlicht hatte. Derzeit lebt und arbeitet sie in Berlin.

Sergej Newski
Komponist, Kurator des Musikprogramms
Sergej Newski wurde 1972 in Moskau geboren und besuchte dort das College am Staatlichen Tschaikowski-Konservatorium. Anschließend studierte er Komposition bei Jörg Herchet (Hochschule für Musik Dresden) und Friedrich Goldmann (Universität der Künste Berlin) sowie Musiktheorie und Musikpädagogik bei Hartmut Fladt (ebenfalls UdK Berlin). Er erhielt Kompositionsaufträge u. a. von der Staatsoper Stuttgart, der Staatsoper Unter den Linden, der Ruhrtriennale, der Basel Sinfonietta, dem SWR Symphonieorchester, dem RSO Stuttgart, dem Klangforum Wien, Collegium Novum Zürich, Musik der Jahrhunderte, MaerzMusik und ensemble recherche. Im September 2012 wurde seine Oper "Franziskus" am Bolschoi-Theater in Moskau unter der Leitung von Philipp Chizhevsky uraufgeführt. Die Oper "Secondhand-Zeit (Boris)" hatte im Februar 2020 Premiere an der Staatsoper Stuttgart. Die Uraufführung seines Musiktheaters "die Einfachen" fand 2021 bei der Biennale Musica in Venedig statt.
Zu den Interpreten seiner Werke zählen u. a. Titus Engel, Susanne Blumenthal, Vladimir Jurowski, Teodor Currentzis, Christian Tetzlaff, Natalia Pschenitschnikowa, Sarah Maria Sun und Jakob Diehl sowie Ensembles wie die Neuen Vocalsolisten Stuttgart, e ensemble, ensemble mosaik, 2e2m, AuditivVokal, das Arditti Quartet, das Asasello Quartett und viele andere.
Sergej Newski wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2014 mit dem Kunstpreis Berlin und 2006 mit dem 1. Preis beim Kompositionswettbewerb der Landeshauptstadt Stuttgart fĂĽr das StĂĽck "Fluss" (Version 2005).
Stipendien erhielt er von der Villa Aurora, der Deutschen Akademie Casa Baldi, der Cité Internationale des Arts Paris, dem Berliner Senat, der Akademie der Künste Berlin, der Villa Serpentara, der Wilfried-Steinbrenner-Stiftung und vom Künstlerhof Schreyahn.
Seit Oktober 2022 ist er Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste Dresden. Sergej Newski lebt in Berlin.