The Long Shadow of Alois Brunner
von Collective Ma'louba
Photo: Tom Dachs
Dauer: 85 min
Sprache: Arabisch mit deutschen/englischen Untertiteln
Text: Mudar Alhaggi
Regie: Omar Elerian
Darsteller: Wael Kadour, Mohammad Alrashi
BĂĽhnenbild: Jonas Vogt
Recherche, dramaturgische Beratung:
Eric Altorfer
Internationale Produktion:
Eckhard Thiemann
Koproduktion von: euro-scene Leipzig,
Theater an der Ruhr und Factory International
In Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer
The Long Shadow of Alois Brunner setzt sich mit der wahren Geschichte eines der meistgesuchten NS-Verbrecher auseinander, der einer Verurteilung entkommen konnte. Alois Brunner war maßgeblich an der Deportation von über 100.000 Menschen in Konzentrationslager und Ghettos beteiligt. Zahlreiche Versuche, ihn festzunehmen, schlugen fehl – schließlich floh er nach Damaskus, wo er eine zentrale Rolle beim Aufbau der syrischen Geheimdienste spielte. Im Berlin des 21. Jahrhunderts angekommen, stößt der syrische Dramatiker Mudar Alhaggi als Geflüchteter auf Brunners Geschichte, beginnt besessen zu recherchieren – und verschwindet plötzlich...
In diesem packenden Theaterstück begegnen wir zwei Schauspieler:innen, die versuchen, die Fragmente von Alhaggis Recherche zusammenzufügen – dabei prallen persönliche Erlebnisse, Weltgeschichte, Wahrheit und Fiktion aufeinander. Zwischen syrischer und deutscher Geschichte webend, erkundet The Long Shadow of Alois Brunner Themen wie Exil, Verantwortung und politisches Gedächtnis – und den komplexen Faden, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet.
Das StĂĽck wirft brennende Fragen zu Zuflucht, Gerechtigkeit und Hoffnung auf.
Mitwirkende

collective ma'louba
Theaterkollektiv
Ma’louba – Arabisch für „Upside Down“ – wurde als Kollektiv von syrischen Theatermacherinnen und Theatermachern gegründet, die am Higher Institute of Dramatic Arts in Damaskus studiert haben und heute in ganz Europa ansässig sind. Die Arbeiten des Kollektivs Ma’louba reflektieren die gelebten Erfahrungen von Araberinnen und Arabern im globalen Kontext: ihre historischen, politischen und kolonialen Verflechtungen sowie den prekären Status von Existenzen. Sie sind stets aktuell und thematisieren Migration, Identität, Kultur, Freiheit und das Wesen des Theaters.
Zu ihren Produktionen zählen "Your Love is Fire" (2017), "Days in The Sun" (2018), "Reine Formsache" (2019), "The Return of Danton" (2021) und "Up There" (2022), die unter anderem am Theater an der Ruhr, Mülheim; an den Kammerspielen, München; beim Made in Germany Festival, Stuttgart; in Summerhall, Edinburgh; und in Novi Sad, Serbien gezeigt wurden. Das Kollektiv Ma’louba wurde 2016 vom Theater an der Ruhr ins Leben gerufen, um syrischen Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland professionelle Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

mudar alhaggi
Dramatiker
Mudar Alhaggi ist Dramatiker, Dramaturg, Kulturaktivist und Co-Künstlerischer Leiter des Kollektivs Ma’louba. Er absolvierte 2005 das Higher Institute of Dramatic Arts in Damaskus und lebt heute in Berlin. Seine Produktionen mit dem Kollektiv Ma’louba wurden international in Deutschland, Großbritannien und Serbien gezeigt. Sein Stück „The Return of Danton“ hatte 2021 Premiere beim Shubbak Festival (digital) und an den Münchner Kammerspielen (live). Die Zeitschrift The Stage bezeichnete es als „ein nuanciertes Stück Metatheater über Revolution und das deutsche Theater“ und als „kluge, multidimensionale Textarbeit“.
Seine Stücke haben stets eine biografische oder autobiografische Dimension, indem sie seine eigene Situation in Beziehung zu politischen, historischen und gesellschaftlichen Bedingungen setzen. Seine Tagebücher aus dem Jahr 2015, nach seiner Ankunft in Deutschland, wurden zum Hörspiel „Barsach“, dessen Elemente in das Stück „Your Love is Fire“ integriert wurden. Seine folgenden Stücke „Reine Formsache“ und „The Return of Danton“, beide für das Kollektiv Ma’louba, untersuchen Schlüsselmomente im Leben geflüchteter Künstlerinnen und Künstler im europäischen Kontext.