Das Land, das ich liebe
Nach dem Buch von Jelena Kostjutschenko
Photo: Victoria Nazarova
Dauer: 90 Min.
Sprache: Russisch und Deutsch, mit deutschen und englischen Untertiteln
Alte Münze Prägehalle (HAUS 4)
Molkenmarkt 31, 10179
Alte Münze Prägehalle (HAUS 4)
Molkenmarkt 31, 10179
Autorin der literarischen Vorlage: Jelena Kostjutschenko
Idee: Anna Narinskaya
Regisseurin: Polina Solotowizki
Regieassistentin Diana Meyerhold
KĂĽnstlerischer Assistent: Anton Troschin
Dramaturgin: Polina Borodina
BĂĽhnenbildnerin: Vanya Bowden
KostĂĽmbildnerin: Ksenia Sorokina
Choreografin: Tanya 4
Sounddesigner*innen:
Alina Petrova, Alina Anufrienko
Technischer Leiter: Alexey Poluboyarinov
Tontechnik - Anastasia Nasonkina
Rechtliche Beraterin: Maria Derra
Lichtdesignerin: Iana Boitcova
Video-Art: Misha Zaikanov
Videodreh: Yana Isaenko
Ăśbersetzung, Untertitel: Erika Kruschilnitski
Darsteller*innen: Chulpan Khamatova (Videosequenzen), Evgenia Borzykh, Leon Wieferich, Antonia Leichtle, Johanna Dähler
Generale Produzentin: Svetlana Dolya
AusfĂĽhrende Produzentin: Kseniia Ignatova
Koproduktion: Kunstfest Weimar 2025
Förderung: Kibbuz e. V., IFC International Culture Foundation, Zimin Foundation, New Generation Europe Foundation



Das Land, das ich liebe ist eine Theaterinstallation, basierend auf dem dokumentarischen Buch der Journalistin Jelena Kostjutschenko, das in vielen Ländern ein Bestseller wurde.
Ziel des Projekts ist es nicht nur, den Zustand des heutigen Russlands bloß zu beschreiben, sondern vielmehr auf erschütternde und zum Teil beschämende Fragen zu reagieren, die in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen haben: Wie kann man eine Beziehung zu seinem Heimatland aufrechterhalten, das in das Böse abgleitet? Wie kann man Menschen zumindest ansatzweise verstehen oder akzeptieren, die gleichzeitig Opfer und Mittäter dieses Bösen sind? Wo verläuft die Grenze zwischen Rechtlosigkeit und Gleichgültigkeit? Der rote Faden, der das Stück zusammenhält, ist die persönliche Geschichte der Autorin – ihre Erfahrungen in einer Welt, die viele lieber nicht sehen möchten. Die Inszenierung untersucht, wie Realität beschrieben und wahrgenommen wird. Autobiografische Passagen des Buches – dargestellt von einer russischsprachigen Schauspielerin – und dokumentarische Reportagen über rechtlose, zum Schweigen gebrachte Menschen in Russland – interpretiert von europäischen Schauspieler:innen – verweben sich mit visuellen und klanglichen Elementen zu einer facettenreichen, vielschichtigen Erzählung. Das Stück ist ein Versuch der Übersetzung – nicht nur von Sprache zu Sprache, sondern auch von Kultur zu Kultur, von einem Kontext in den anderen. Ist es überhaupt möglich, eine komplexe soziale und politische Realität zu erklären? Können wir einander verstehen, wenn wir die Klischees und vorgefertigten Narrative hinter uns lassen?
Wir glauben: ja.
Mitwirkende

jelena kostjutschenko
journalistin
Jelena Kostjutschenko ist eine unabhängige russische Journalistin. Sie war 17 Jahre lang Sonderkorrespondentin der Nowaja Gaseta, bis die Zeitung im März 2022 unter dem Druck der russischen Behörden eingestellt wurde. Sie berichtete über Konflikte, Verbrechen, Menschenrechte und soziale Themen. Kostyuchenko gehörte zu den ersten, die die Präsenz russischer Truppen in der Ostukraine belegten. Seit dem zweiten Tag des russischen Angriffskriegs berichtete sie aus der Ukraine. Ihre Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der European Press Prize, der Gerd Bucerius-Förderpreis Freie Presse Osteuropas und der Paul Klebnikov Preis.
Ihr Buch "I Love Russia: Reporting from a Lost Country" erschien am 17. Oktober 2023. Die englische Ăśbersetzung wurde in die Liste der besten BĂĽcher des Jahres 2023 von The New Yorker und Time aufgenommen.

anna narinskaya
kuratorin
Anna Narinskaya ist Journalistin, Autorin, Dokumentarfilmerin, Ausstellungskuratorin und Aktivistin. Als Journalistin arbeitete sie für Kommersant und Novaya Gazeta. Bis vor Kurzem war Narinskaya Kuratorin des Joseph-Brodsky-Museums in Sankt Petersburg. Im Jahr 2018 spielte sie eine zentrale Rolle bei der Organisation des „Marschs der Mütter“, der sich für die Rechte von Jugendlichen einsetzte, die in Russland wegen ihrer Überzeugungen verfolgt wurden. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 verließ sie das Land und lebt nun in Berlin, wo sie für die Zeitung Tagesspiegel schreibt.

polina solotowizki
regisseurin
Polina Solotowizki wurde 1993 in Moskau geboren und verbrachte ihre Kindheit in Deutschland. Sie wuchs im Spannungsfeld deutscher, russischer und jüdischer Kulturen auf. Bereits während ihrer Schulzeit war sie in unterschiedlichen Bereichen verschiedener Theaterprojekte aktiv. Nach ihrem Regiestudium am Russischen Institut für Theaterkunst, das sie 2018 abschloss, arbeitete sie als freie Regisseurin an Repertoiretheatern im russischsprachigen Raum. 2020/21 kehrte sie mit ihrer Familie nach Deutschland zurück und begann ihr Masterstudium in Expanded Theatre an der Hochschule der Künste Bern. Ihr Masterprojekt „Frontstage“ – ein dokumentarisches Stück über Männlichkeit zwischen Spiel und Krieg mit einem ukrainischen und einem russischen Schauspieler – wurde 2024 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.
Künstlerisch interessiert sich Polina Solotowizki für die Schnittstelle zwischen Identität der Darstellenden, ihren Rollen und der Frage nach Präsenz durch performative Mittel. Ihre Arbeiten setzen sich aus persönlicher Perspektive mit sozialen und politischen Themen auseinander und zielen darauf ab, kulturelle Brücken zu bauen. In ihrem künstlerischen Prozess nutzt sie häufig dokumentarische Ansätze. Polina Solotowizki arbeitet sowohl mit professionellen Schauspieler*innen als auch mit Laien.

polina borodina
Dramatikerin
Polina Borodina ist eine russische Dramatikerin, die für ihre Vielseitigkeit über verschiedene Genres hinweg bekannt ist – von politischen und existenziellen Dramen bis hin zu ortsspezifischen Performances. Im Zentrum ihrer Arbeit steht stets die menschliche Erfahrung. Komplexe Themen behandelt sie mit einer Mischung aus Humor und alltäglicher Absurdität. Ihr beruflicher Hintergrund außerhalb der Kulturszene hat ihr Erzählen bereichert und ermöglicht ihr, mit unterschiedlichen sozialen Gruppen in Verbindung zu treten.
Als preisgekrönte Autorin hat Polina mehr als 50 Stücke international zur Aufführung gebracht, von denen viele für renommierte Auszeichnungen, darunter die „Goldene Maske“, nominiert wurden.
Nach ihrem Protest gegen den russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 musste sie ins Exil gehen. Heute lebt sie in Berlin.

vanya bowden
BĂĽhnenbildner
Vanya Bowden ist bekannt für ihre Arbeit im Theater, Film und in Ausstellungsräumen. Als Absolventin der Moskauer Kunsttheaterschule und des Wimbledon College of Arts in London hat sie umfangreiche Erfahrungen in Russland, Israel und in ganz Europa gesammelt. 2018 erhielt ihre Produktion „Homeland“ den Goldenen Maskenpreis in der Kategorie Experiment, in den folgenden Jahren wurde sie mehrfach für ihre Bühnenbilder nominiert. Ihre Entwürfe verbinden auf meisterhafte Weise filmische und theatralische Mittel und ermöglichen visuelle Bühnenbilder, die zugleich realistisch und metaphorisch sind. Mit ihrer Spezialisierung auf ortsspezifische Produktionen versteht es Vanya, immersive, detailreiche Räume zu gestalten, die sowohl die Erzählung als auch die Atmosphäre intensivieren. Ihre Arbeit lässt Geschichten lebendig werden, indem sie Räume in dynamische, integrale Bestandteile der Aufführung verwandelt. Bei der Gestaltung legt sie besonderen Wert auf die nahtlose Verbindung visueller Elemente, die das gesamte Werk tragen und bereichern.