Aleksandr Plotnikov, Mikhail Durnenkov

Autorenlesungen

Photo: Tatyana Lavrenteva

Dauer: 2 Std. 45 Min. mit Pause

Sprache: Russisch mit englischen/deutschen Untertiteln

Fr., 14. Nov.19:00 Uhr

HAU Hebbel am Ufer (HAU3)

Tempelhofer Ufer 10, 10963

Vorverkauf ab 1. Oktober.

Teil 1:
Alpha Centauri

Aleksandr Plotnikov – Dramatiker, Lesung
Dauer: 55 Min.

Teil 2:
Etwas über Nawalny

Mikhail Durnenkov – Dramatiker, Lesung
Dauer: 90 Min.

In Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer

Jede Autorin und jeder Autor hat eine einzigartige Beziehung zu ihrem eigenen Text. Sie verstehen ihn anders, als er von Schauspielerinnen, Regisseuren oder außenstehenden Leserinnen und Lesern gehört oder interpretiert werden könnte. 2025 hat das Voices Berlin Festival ein neues Format für seine szenischen Lesungen gewählt: Jedes Stück wird von seiner Autorin oder seinem Autor selbst präsentiert.

Teil 1: Aleksandr Plotnikov „Alpha Centauri“

Das Stück „Alpha Centauri“ erzählt von jenen, über die sonst kaum gesprochen wird. Es widmet sich den sowjetischen Kosmonauten, die niemals ins All gelangten — Sergej Kartaschow, Valentin Warlamow, Dmitri Saikin, Witalij Bondarenko, Sergej Nefedow. Jeder von ihnen hätte an Gagarins Stelle stehen können, doch eine Kette unmöglicher, grausamer Zufälle und Umstände beraubte sie dieser Chance — manche sogar ihres Lebens. Haben sie einen Platz in unserer Gegenwart? Für uns? Für alle, die dort gelandet sind, wo sie nie sein wollten? Für die Vergessenen, von der Zeit Ausgelöschten, ihrer Träume und ihrer Stimme Beraubten? Und wie prägt dieser ewige Triumph — sei es der des Krieges oder der der Weltraumeroberung — unser politisches Bewusstsein heute?

Plotnikovs Stück gibt keine Antworten, doch es eröffnet eine neue Sicht auf das Scheitern als Möglichkeit, über die Zeit selbst nachzudenken. Es ist ein sensibles Gespräch, eine Rückgabe der Namen, eine poetische Rede, die das historische Schweigen durchbricht.

Teil 2: Mikhail Durnenkov „Etwas über Nawalny“

In seinen 48 Lebensjahren war Alexei Nawalny Oppositionspolitiker, Revolutionär und Gründer der Antikorruptionsstiftung. Er war der giftige Stachel, der die Machthaber traf und die Verwundbarkeit eines totalitären Systems offenbarte. Als meisterhafter Trickster inspirierte er Menschen mit den Worten: „Ich habe keine Angst, und ihr solltet auch keine Angst haben.“

Nawalny hatte viele Gesichter. Es gibt Tausende von Zeugen — jene, die mit ihm arbeiteten, gegen ihn kämpften, ihn liebten oder hassten. Jede*r hat seinen eigenen „wahren“ Nawalny. Deshalb kann diese Geschichte nur polyphon erzählt werden — wie ein altgriechischer Chor, ein tausendgesichtiger Zeuge großer Ereignisse.

In Durnenkovs Stück teilen Dutzende von Stimmen mit dem Publikum ihre persönlichen Wahrheiten über Nawalny. Keine erhebt Anspruch auf Vollständigkeit oder auf das gesamte Bild der Persönlichkeit des verstorbenen Politikers. Doch jedes einzelne Fragment trägt zu jenem Mosaik bei, das sich zu einem epischen Porträt von Alexei Nawalny fügt.

Mitwirkende

aleksandr plotnikov

Regisseur, Dramatiker

Geboren 1995 in Moskau. Studium an der Drehbuch- und Filmwissenschaftlichen Fakultät des VGIK (Abteilung Filmdramaturgie, Werkstatt von Rustam Ibragimbekov) sowie in der Regiegruppe der Schauspielabteilung (Werkstatt von Kama Ginkas) an der Hochschule für darstellende Künste in Moskau. Seit 2019 im Theater tätig. Als Theatermacher beschäftigte sich Plotnikov mit Fragen der Postmemory. Durch die Verbindung einer poetischen Haltung mit einem dokumentarischen Ansatz erforschte er die Reparative Ästhetik, die darauf abzielt, Gräueltaten und Ungerechtigkeiten der Vergangenheit durch dokufiktionale Werke zu restituieren und zu kompensieren. In dem Stück „Aphasie“, das schließlich aus politischen Gründen verboten wurde, erzählte er die Geschichte seines ukrainischen Großvaters, der nach Tschernobyl einem illegalen medizinischen Eingriff unterzogen wurde.

Einige von Plotnikovs Arbeiten wurden von der russischen Theatergemeinschaft vor dem Krieg hoch geschätzt. Die Inszenierung von „Anna Karenina“ am Theater in Krasnojarsk erhielt sechs Nominierungen für den nationalen Theaterpreis „Goldene Maske“ und gewann die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“. Heute lebt Plotnikov in Armenien und erforscht weiterhin die Möglichkeiten des modernen Theaters, wobei er sich aktuell mit der unerträglichen Trauer der Gegenwart auseinandersetzt.

mikhail durnenkov

Dramatiker

Mikhail Durnenkov ist ein in Russland geborener Dramatiker, Drehbuchautor und Theaterpädagoge. Seine Stücke wurden an renommierten Theatern in Russland aufgeführt – darunter das Moskauer Künstlertheater, das Alexandrinski-Theater in St. Petersburg, das Gogol Center und das Staatliche Theater der Nationen in Moskau – sowie in Warschau, Vilnius, Tallinn, Prag, London, Glasgow und Plymouth. Für seine Arbeiten erhielt Durnenkov zahlreiche Auszeichnungen; 2019 wurde er für sein Stück „Utopia“ mit dem russischen Theaterpreis Goldene Maske ausgezeichnet. Außerdem war er Mitglied des Theaterkollektivs Teatr.doc und regelmäßiger Teilnehmer des Ljubimovka-Festivals zur Förderung junger russischer Dramatiker. Mehrere Jahre lang war er auch in die künstlerische Leitung des Festivals eingebunden.

Seine Stücke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Außerhalb Russlands arbeitete er unter anderem mit der Royal Shakespeare Company, dem Royal Court Theatre in London und dem Lark Play Development Center in New York zusammen. Zudem war er Gast der Theaterbiennale New Plays from Europe am Staatstheater Wiesbaden.

Nach seiner öffentlichen Opposition gegen den russischen Angriff auf die Ukraine wurden seine Stücke in Russland verboten. Darüber hinaus verlor er seine Lehrtätigkeit an der Schauspielschule des Moskauer Künstlertheaters und war gezwungen, gemeinsam mit seiner Familie nach Finnland zu fliehen.

Kontakte

© 2023-2025 VOICES, Alle Rechte vorbehalten
ImpressumDatenschutz